Drittmittelprojekte


DFG-Projekt: "Theater zwischen Reproduktion und Transgression körperbasierter Humandifferenzierungen"
(Folgeprojekt, 2016-2019)

Leitung: Prof. Dr. Friedemann Kreuder
Teilprojekt der DFG-Forschergruppe 1939 "Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung"

Das Projekt untersucht das paradoxe Spannungsverhältnis von Theater zwischen Reproduktion und Transgression körperbasierter Humandifferenzierungen im Gegenstandsbereich des gesamten, die Institution des deutschen Sprechtheaters alltäglich re/produzierenden Praxiskomplexes – bestehend aus Schauspielschulen, Künstlervermittlungen, Theaterhäusern und Zuschauer/innen. Hinsichtlich des Phänomenbereichs interessieren dabei weiterhin Humandifferenzierungen nach Geschlecht und Ethnizität, jedoch in ihrem Zusammenspiel mit anderen körperbasierten Humandifferenzierungen wie (Spiel-)Alter, Behinderung und Attraktivität. Auf der Bühne sollen diese körperlichen Differenzmarkierungen schauspielerisch überwindbar werden. Jenseits dieses Transgressionsversprechens der schauspielerischen Praxis werden individuelle körperliche Merkmale im Theater jedoch nicht professionell übersehen, sondern stellen vielmehr zentrale Merkmale der funktionalen Anforderung im Rahmen von habitualisierten Praktiken der Einstellung, Besetzung und Darstellung auf Seiten der produzierenden Akteure im Theater dar. Über die kontextuelle Kontingenz von Geschlecht und Ethnizität in der Situation der Aufführung hinaus, untersucht das Projekt daher die Institution des deutschen Sprechtheaters in vergleichender Perspektive auf solche Bedingungskonstellationen hin, unter denen Differenzen bei der Produktion von Kunst und Künstlern überwunden und hervorgebracht werden.

 

2017 gestartet: DFG-Projekt "Das Dorf Christi. Institutionentheoretische und funktionshistorische Perspektiven auf Oberammergau und sein Passionsspiel im 19.-21. Jh."

Leitung: Prof. Dr. Julia Stenzel, JGU Mainz / PD Dr. Jan Mohr, LMU München

Seit 1634 wird in Oberammergau das Gelübdespiel von Christi Opfertod aufgeführt. In einer sich als säkular begreifenden Gesellschaft gerät das religiöse Spiel unter Rechtfertigungsdruck; doch das eröffnet auch Freiräume für neue Funktionalisierungen: Aus der lokalen Spieltradition ist ein weltweit bekanntes touristisches Großereignis geworden, das nicht nur Erbauung bietet, sondern verschiedenste Interessen bedient. Das Projekt untersucht die funktionsgeschichtliche Pluralisierung und diskursive Stabilisierung des Oberammergauer Passionsspiels seit dem 19. Jahrhundert. Es beschreibt diese als Perpetuierung einer Spannung zwischen Traditionsbezügen und sich verändernden historischen Kontexten. Dabei konzentriert es sich nicht auf das Spiel allein, sondern nimmt das als Bio- und Soziotop wahrgenommene Dorf, seine Tradition und geographische Lage sowie seine Funktionalisierung in unterschiedlichen diskursiven Zusammenhängen in den Blick. Ziel ist die Rekonstruktion von Sinnbildungsstrukturen, durch die die Spannung zwischen Traditionsverpflichtetheit und Aktualitätsbehauptung in Balance gehalten wird. Beobachtbar werden dabei Prozesse der Binnendifferenzierung und Partikularisierung religiöser Weltwahrnehmungen in Zeiten von sich als modern, aufgeklärt, säkular oder zuletzt gar postsäkular begreifenden Gesellschaften.

 


DFG-Projekt: "Praktiken der ethnischen Ent/Differenzierung im zeitgenössischen deutschen Sprechtheater"
(2014-2017)


Leitung: Prof. Dr. Friedemann Kreuder
assoziiert an die DFG-Forschergruppe 1939 "Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung"

 

 

DFG-Projekt: "Performative Reflexion von Humandifferenzierung im Theater: Gender und Ethnizität"
(2013-2016)


Leitung: Prof. Dr. Friedemann Kreuder
Teilprojekt der DFG-Forschergruppe 1939 "Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung"

Das theaterwissenschaftliche Projekt stellt eine Institution ins Zentrum, die auf spielerische Weise mit Humandifferenzierungen umgeht und die Produziertheit und Kontingenz sozialer Kategorien performativ zu reflektieren vermag. Durch die professionelle Verkörperung eines Anderen überschreiten und ent/differenzieren Theaterschauspieler allabendlich selbst als biologisch gerahmte Kategorisierungen.
Mit dem Fokus auf Un/doing Gender und Un/doing Ethnicity untersucht das Projekt vergleichend zwei spezifische Fälle eines solchen transgressiven Castings. Dabei werden institutionelle Praktiken in Bezug auf Besetzungsentscheidungen ebenso in den Blick genommen wie die theatral gerahmten Praktiken der Darstellung und Wahrnehmung während des Probenprozesses und Theaterereignisses.